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24. Januar 2017 2 24 /01 /Januar /2017 10:53

Ich habe schon eine Weile nichts mehr geschrieben. Dabei passiert jeden Tag so viel. Ich schreibe heute aber mal nicht über Kommunalfinanzen und z. B. darüber, dass der Haushalt der hochverschuldeten Stadt Oberhausen zum ersten Mal seit 25 Jahren ausgeglichen ist, was sicherlich einen Blog-Eintrag wert wäre. Ich will heute einfach ein paar Gedanken zu unserer Gemütsverfassung formulieren.

Man sollte meinen, über Trump sei eigentlich fast alles schon gesagt. Deshalb an dieser Stelle auch keine Trump-Kritik, sondern ein paar Gedanken über uns selbst.

Was uns Angst macht, ist die Ahnung vom Ende der Gewissheiten. Wir hatten uns schon sehr daran gewöhnt, dass nichts wirklich Ernstes unser Leben in Frieden, Freiheit und Wohlstand erschüttern könnte. Aber wir spüren, dass der Boden zittert. Und zwar gleichzeitig an vielen Stellen. Der Klimawandel ist nicht nur messbar, wir erleben ihn. Krieg und Elend in anderen Teilen der Welt sind nicht nur Meldungen in der Tagesschau. Alles rückt näher. Die politische Weltordnung zerbröckelt. Der aufziehende Verlust des Garanten unsere Sicherheit, die erhobene Faust eines Präsidenten, dessen Fratze uns wie ein Dämon aus einem schlechten Traum vorkommt - all dies schien weit weg zu sein. Jetzt holt uns die Wirklichkeit ein.

Botho Strauß erregte 1993 große Aufmerksamkeit mit seinem Text vom anschwellenden Bocksgesang: „Es ziehen aber Konflikte herauf, die sich nicht mehr ökonomisch befrieden lassen; bei denen es keine Rolle spielen könnte, dass der reiche Westeuropäer sozusagen auch sittlich über seine Verhältnisse gelebt hat, da hier das ‚Machbare‘ am wenigsten an eine Grenze stieß. Es ist gleichgültig, wie wir es bewerten, es wird schwer zu bekämpfen sein: dass die alten Dinge nicht einfach tot sind, dass der Mensch, der einzelne wie der Volkszugehörige, nicht einfach nur von heute ist. Zwischen den Kräften des Hergebrachten und denen des ständigen Fortbringens, Abservierens und Auslöschens wird es Krieg geben.“

Zugegeben. Es klingt ziemlich apokalyptisch. Aber spätestens seit dem Machtwechsel in den USA besteht Veranlassung, darüber nachzudenken, was der sichtbare Bruch für das eigene Leben bedeutet. Und Literaten und Künstler haben oft empfindlichere Antennen, für das, was unterwegs ist. Also lieber Botho Strauß: Zeit für einen neuen Bocksgesang. Ich verspreche, ich werde ihn erst lesen, darüber nachdenken und erst dann vielleicht etwas dazu sagen.

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Published by Dr. Hanspeter Knirsch
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